„Kassel als junge Großstadt“ – Bildband zur verschwundenen Pracht der Nordhessenmetropole

Kassel als junge Großstadt Cover

Kassel 01.12.2019 | Von Kassel ist allgemeinhin bekannt, dass die Stadt zum größten Teil in Zweiten Weltkrieg zerstört worden ist. Im Oktober 1943 wurden die umfangreich vorhandenen Anlagen der Rüstungs- und Kriegsindustrie in Kassel Ziel eines verheerenden Bombenangriffes. Rund 10.000 BewohnerInnen haben dabei ihr Leben lassen müssen und neben den Rüstungs- und Industrieanlagen ist der allergrößte Teil des Stadtgebietes mit einem massiven Bombardement mit Tausenden von Bomben unwiederbringlich zerstört worden. Neben den menschlichen Opfern und Belastungen ist Kassel damit weitgehend ihr in Jahrhunderten gewachsenes und gestaltetes Stadtbild zerstört und geraubt worden.

Leonhardt als fotografischer Chronist des alten Cassel

Der Sternbald Verlag hat einen Bildband mit den Fotografien von Georg Friedrich Leonhardt herausgegeben. 105 Fotografien sind dafür ausgewählt worden. Damit soll ein weitgehendes Portrait der Kassel in der Gründerzeit bis zum Ersten Weltkrieg gezeigt werden. Der Fotograf Leonhardt erweist sich in seinen hinterlassenen Fotos geradezu als Chronist der Stadt mit den Mitteln der Fotografie. Es gab zahlreiche Fotografen in dieser Zeit in Kassel, doch von keinem sind auch nur annähernd viele Fotos überliefert und bekannt.

Es kann als Phänomen, ja als Entdeckung gelten, dass im Werk von Leonhardt ein dergestalt umfassendes Abbild der jungen Großstadt Kassel auszumachen ist. Die nachgelassenen Fotografien sind ein wahrer Silberschatz, in dem sich in herausragender Art und Weise das Stadtbild dokumentiert findet.

Das Foto aus dem Jahr 1890 zeigt den damaligen Friedrich-Wilhelmsplatz. Darin den heutigen Scheidmannplatz als „Nachfolger“ wahrzunehmen fällt schwer.

Für den Bildband konnte der renommierte Kunst- und Fotohistoriker Prof. Dr. Wolfgang Kemp als Autor eines ausführlichen einführenden Beitrags gewonnen werden. Wolfgang Kemp bespricht zahlreiche Fotografien und stellt sie dabei sowohl in einen stadtgeschichtlichen Zusammenhang, wie er die fotografischen Eigenarten von Leonhardt betrachtet. Der illustrierte Essay gibt dem Bildband eine zusätzliche inhaltliche Dimension indem der Frage nachgegangen wird, in welcher Weise der Fotograf die oftmals in seinen Fotos abgebildeten Personen als „Figuranten“ oder „Statisten“ bis hin zu „Maßstabsmenschen“ in den Aufnahmen kunstvoll platziert und damit inszeniert hat oder ob er sie einfach nur abgebildet hat.

Im Jahr 1901 entstand diese Totalansicht des Friedrichsplatzes von G. F. Leonhardt.

Mit dem Titel „Kassel als junge Großstadt“ präsentiert dieser Bildband zum größten Teil unkannte und unveröffentlichte Fotografien der Stadt. Insofern wird das Bild der Stadt Kassel mit diesem Buch deutlich geöffnet und erweitert. Es finden sich Fotos aus dem Bereich der Fulda, von Straßen und Szenerien in der Altstadt, Karlsaue, Schöne Aussicht, Weinberg, Ständeplatz, Bahnhof, Hohenzollernviertel, Wilhelmshöher Allee und aus dem Bergpark Wilhelmshöhe.

Ein weites Spektrum an Örtlichkeiten, die zum Bild der Stadt aus der Zeit vor  mehr als 100 Jahren gefehlt haben

Wie sich die Ansichten wandeln und doch dabei in Grundzügen ähnlich bleiben, zeigt das Leonhardt-Foto von Rathaus und Oberer Könisstraße aus dem Jahr 1912.

Der Bildband hat das Format 21 x 24 cm mit 128 Seiten Umfang. Als gebundenes Buch mit Fadenheftung präsentiert er die Fotos in vorzüglicher Druckqualität. Alle Fotos finden sich in Bildunterschriften hinsichtlich Aufnahmezeitpunkt und Örtlichkeit erläutert.

Hinzu kommen Texte zum stadtgeschichtlichen Zusammenhang sowie eine Vita des in diesem Buch entdeckten und vorgestellten ungewöhnlichen Fotografen G.F. Leonhardt.

Der Bildband „Kassel als junge Großstadt“ ist im Buchhandel und beim Verlag zum Ladenpreis von 24 Euro erhältlich | ISBN 978-3-924296-61-2.